Die Lenormand-Karten

Die Lenormand-Karten entstanden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ihr Name geht auf die französische Wahrsagerin Marie Anne Lenormand (1772-1843) zurück. Wahrscheinlich benutzte sie aber ganz andere Karten. So nimmt man an, daß sie vom damals verbreiteten Etteilla-Tarot beeinflußt war. Der eigentliche Schöpfer der Lenormand-Karten ist somit unbekannt. Außerdem wurden die Karten anfänglich nur außerhalb Frankreichs gedruckt. Trotzdem ist die gewählte Bezeichnung verständlich, denn zur damaligen Zeit war der Name Lenormand gleichbedeutend mit Wahrsagen.

 

Faksimileausgabe

Bild: alexander-glueck.lima-city.de

 

 

Madame Lenormand

Aus dem Vorwort zur Erklärung der Wahrsagekarten No.1941 von Piatnik, Wien 1986

"Mademoiselle Lenormand war die berühmteste Wahrsagerin des 19. Jahrhunderts. Durch ihr Wirken wurde das Kartenaufschlagen entscheidend geprägt und die von ihr verwendete besondere Art von Karten als "Lenormand-Spiele" bekannt.

Marie-Anne-Adelaide Lenormand wurde am 27.5.1772 in Alencon unter dem Sternzeichen der Zwillinge geboren und starb am 25.6.1843 in Paris. Nach ihrer Erziehung in einem Kloster ging sie mit 21 Jahren nach Paris. Dort arbeitete sie kurz in einer Wäscherei, tat sich jedoch bald mit der Wahrsagerin Madame Gilbert zusammen. Für die beiden ging ein Fleischerjunge namens Flammermont auf Kundenfang.

Auf ihren Ruf wirkte sich ein kurzer Gefängnisaufenthalt während der französischen Revolution nur positiv aus. Und so konnte sie bei ihrem zweiten Versuch ein bedeutendes Vermögen erwirtschaften - sie hinterließ ein Schloß bei Poissy, Güter in Alencon und ein Haus in Paris."

Im Jahre 1998 erschien in Frankreich eine ausführliche Biographie über Madame Lenormand. Die deutsche Übersetzung folgte 2006 im Cascada Verlag. Für weitere Informationen zum Buch bitte das Bild anwählen.

 

Madame Lenormand

Bild: wikipedia.de

 

 

Deutung 

Die kleinen Lenormand-Karten ermöglichen die komplexe Deutung einer Situation. Die 36 Karten können in vier Reihen zu je neun Bildern ausgelegt und ihre Beziehungen zueinander betrachtet werden. Die folgenden Beschreibungen der Karten und ihrer Kombinationen beziehen sich auf die Version des Verlags Carta Mundi und stellen eine Auswahl der Bedeutungsinhalte dar.

 

 

Etablissiments Brepols, Belgien  ca. 1910

Bild: lenormand-wahrsagekarten.de

 

 1 Der Reiter - Mein Weg

    Karte rechts daneben: woher

    Karte links daneben: wohin

 2 Die Kleeblätter - Das Glück

 3 Das Schiff - Mein emotioneller Weg

    Karte links daneben: wohin

 4 Das Haus - Heim Familie Geborgenheit

 5 Der Baum - Verwurzelung Sicherheit Gewohnheit

 6 Die Wolken - Trübe Aussicht

 7 Die Schlange - Transformation

 8 Der Sarg - Beendigung

    Karte rechts daneben: was

 9 Die Blumen - Schönheit

10 Die Sichel - Arbeit Erfolg Zeit

     Karte rechts daneben: Gefährdung

11 Die Rute - Quälerei

12 Die Tauben - Partnerschaft

13 Das Kind - Unbekümmertheit Nachwuchs

14 Der Fuchs - Arglist Konfrontation

15 Der Bär - Stärke

16 Die Sterne - Vertrauen, Illusion

17 Der Storch - Meditation

18 Der Hund - Treue

19 Der Turm - Anerkennung

20 Der Brunnen - Fluß der Emotionen

21 Der Berg - Hürde Last

22 Die Wege - Möglichkeiten

23 Die Mäuse - Zweifel

24 Das Herz - Liebe

25 Der Ring - Ehe

26 Das Buch - Wissen

27 Der Brief - Nachricht

28 Der Mann - Fragender oder Partner

     Karte darüber: Gedanken

     Karte darunter: Gegenwart

     Karte links daneben: Vergangenheit

     Karte rechts daneben: Zukunft    

29 Die Frau - Fragende oder Partnerin

     Karte darüber: Gedanken

     Karte darunter: Gegenwart

     Karte links daneben: Vergangenheit

     Karte rechts daneben: Zukunft

30 Die Lilie - Unschuld Reinheit

31 Die Sonne - Lebensfreude Bewußtheit

32 Der Mond - Gefühle Verinnerlichung

33 Der Schlüssel - Schlüsselbotschaft

     Karte rechts daneben: welche

34 Die Fische - Reise

35 Der Anker - Ankunft

36 Das Kreuz - Abschluß

     Karte links daneben: was

     Karte rechts daneben: Neuanfang

 

   Die ersten 3-4 Karten: aktuelle Themen

   Die letzten 3-4 Karten: Ausgang der Entwicklung

 

 

Lenormandkarten in der Version von Carta Mundi                Bilder: foren4all.de

 

 

Vom Würfel- zum Orakelspiel

Aus dem Buch "Wahrsagen a la Lenormand" von Alexander Glück, Buchverlag für die Frau, Leipzig 2011

"Die Lenormand-Karten waren ursprünglich ein Würfel-Rennspiel mit zwei Würfeln. Man legte sie den Nummern nach als Laufstrecke aus und lief dann je nach Augenzahl des Wurfs mit seiner Spielfigur über die Karten. Man kann sich leicht vorstellen, daß manche der Bilder, auf denen man dabei zu stehen kam, Auswirkungen auf den Spielverlauf hatten. Doch selbst wenn sie im Spiel nur der Dekoration gedient haben, ließen sie sich auch hervorragend zur Zukunftsdeutung heranziehen.

"Das Spiel der Hoffnung, mit einer neuen Figurenkarten von 36 illum. Blättern." (erschienen ca.1800 bei G. P. J. Bieling in Nürnberg) war, zumindest in der zweiten Auflage, nur in der Zweitverwendung als Wahrsagespiel gedacht, wofür man übrigens nur 32 der 36 Karten verwenden sollte.

Das Lenormand-Kartenspiel  bezog einige Elemente aus anderen Orakelspielen, die zur damaligen Zeit populär waren. Da wären vor allem die sogenannten "kleinen" Etteilla-Karten zu nennen, schlichte Skatkarten, die mit willkürlichen Bedeutungsangaben versehen waren. Auch "Le Petit Oracle des Dames" enthielt Abbildungen von Skatblättern, nun allerdings in eine Ecke gerückt, damit Platz für die mystischen Hauptmotive war. Wenn auch die Lenormand-Karten ein komplettes Skatspiel enthalten, dann sicher aus dem ursprünglichen Grund, daß man damit auch Skat spielen konnte. Möglicherweise beugte man dadurch auch einem Verbot von Orakelkarten vor, denn nun ließ sich das Wahrsagewerkzeug als simples Kartenspiel mit hübschen Motiven deklarieren."

Das Buch samt historischer Karten kann im Internet erworben werden. Dazu bitte die Abbildung anwählen.

 

           Bild: amazon.de

 

 

Die große Tafel 1-36

 

Lenormandkarten um 1850

Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von Alexander Glück M.A., Wien

 

Die Bilder können auch als Poster verschiedener Größe erworben werden. Dazu bitte die einzelnen Karten anwählen.

 

 

Das Spiel der Hoffnung

Der Kulturhistoriker und Spielkartenforscher Alexander Glück ermöglichte eine Neuausgabe der Karten zum "Spiel der Hoffnung" von 1799. Das Reprint erschien im Verlag Königsfurt-Urania und kann im Internet erworben werden. Für weitere Informationen bitte Abbildung 1 anwählen. Ein komplett erhaltenes historisches Set befindet sich im British Museum, London und kann durch Anwählen von Abbildung 2 betrachtet werden.

 

 Abb. 1

      Bild: koenigsfurt-urania.com

 

Abb. 2

   

   Statue of Tara   Bild: wikipedia.de

 

 

Die Veröffentlichung der Lenormandkarten

Aus dem Buch "Ur-Lenormand Das Spiel der Hoffnung" von Alexander Glück, Verlag Königsfurt-Urania, Krummwisch 2014

"Erst ein halbes Jahrhundert später tauchen die Motive aus dem Spiel der Hoffnung wieder auf, diesmal im Verlag von J. F. August Reiff in Koblenz. Inzwischen waren Jahrzehnte vergangen, der Urheber des Spiels der Hoffnung (Johann Kaspar Hechtel, Anm. des Seiteninhabers) war längst verstorben. Koblenz war 1794 von französischen Truppen besetzt worden und gehörte von 1801 bis 1815 zu Frankreich.

Nicht wenige Koblenzer hatten einen französischen Vater, und der kulturelle Einfluß des Nachbarlandes war auch noch spürbar, als die Gegend schon lange zu Preußen gehörte.

Aus Frankreich kam 1843 die Nachricht, daß die berühmte Wahrsagerin Madame Lenormand gestorben war. Man wußte, daß sie mit Karten gelegt hatte, nur war kaum jemandem bekannt, welche Karten sie dafür verwendet hatte. Das ließ sich ändern: In Reiffs Verlag erschien einfach ein Nachdruck des Spiels der Hoffnung. Es wurde mit dem werbewirksamen Namen der berühmten Wahrsagerin versehen und nun als das Spiel verkauft, das man laut Angaben der Hinterbliebenen bei ihrem Tode bei ihr gefunden hatte."

 

Johann Kaspar Hechtel (1771-1799)

Bild: wikipedia.de

 

 

Das große Lenormand-Spiel

Aus dem Buch "Lexikon des Tarot" von Eckhard Graf, Verlag Naglschmid, Stuttgart 1991

"Das Große Lenormand-Spiel steht am Anfang eines neuen Typs von Wahrsagekartenspielen. Den bisherigen esoterischen Blättern war gemeinsam, daß jede Karte ein einziges Bildmotiv, ein Spielfarbzeichen und einen Kartentitel trug. Die Fläche jedes einzelnen Blatts des Großen Lenormand-Spiels ist dagegen in nicht weniger als sieben Sektoren eingeteilt, von denen vier je ein Bild und drei symbolische Gestaltungen zeigen. Damit wird jede Karte zum kompakten Informationsträger als Teil eines vielschichtigen Deutungssystems. Möglicherweise wurde mit diesem Aufbau tatsächlich versucht, methodische Bezugspunkte der Mlle. Lenormand darzustellen. Dieses Spiel entstand immerhin erst zwei Jahre nach ihrem Tod, als es noch viele Enthusiasten gab, die von ihr persönlich Anregungen erhalten haben könnten. Inzwischen ist die ursprüngliche Bedeutung von zwei Sektoren auf den Karten des Großen Lenormand-Spiels, nämlich der Verbindungen von geomantischen Zeichen und Buchstaben rechts oben und der Sternenkonstellationen oben in der Mitte, in Vergessenheit geraten. Als zentrale Motive dienen auf diesen Karten Begebenheiten aus der griechischen Mythologie sowie Darstellungen von Stufen des "Großen Werkes" der Alchemie. Die kleineren Bilder zeigen Szenen aus dem täglichen Leben, so wie man es auch auf anderen Wahrsagespielen jener Zeit vorfindet. Auch Blumen spielen auf diesen Karten durchgehend eine Rolle (im Sektor unten in der Mitte). Hier liegt eine direkte Anknüpfung an Mlle. Lenormands Verfahrensweisen vor, zu denen es gehörte, den Ratsuchenden auch nach seiner Lieblingsblume zu befragen. Der äußere Aufbau des Großen Lenormand-Spiels wurde richtungsweisend für viele Wahrsagekartenspiele. Seither ist es gebräuchlich, die Kartenfläche in Sektoren zu unterteilen, um neben dem zentralen Bildmotiv noch weitere Informationen unterzubringen, sei es in Wort, Bild oder Symbol. Der Popularisierung des Kartenlegens kam es sehr zustatten, daß damit das Nachschlagen in Büchern und Anleitungen weitgehend entfiel."

 

Grand Jeu de Mlle. Lenormand

Bild: learnlenormand.com

 

 

Lenormandvarianten

 

 

 

 

 

                                                                                  Bilder: lenormand-wahrsagekarten.de

01-05 ASS Altenburg 30er Jahre

06-09 AGM Blaue Eule, Neuhausen 1970

10-13 Piatnik, Wien 1986

14-18 Dohndorf 1875

19-23 Lenormand 1890, Lo Scarabeo Turin 2003

24-27 French Cartomancy, Lo Scarabeo Turin 2005

28-31 Astrologisches Lenormand, Heppenheim 1998

32-36 Jugendstil Lenormand, Lo Scarabeo Turin 2007

 

Die Abbildungen werden ausführlich in dem Buch von Harald Jösten "Die Symbolwelt der Lenormandkarten", Verlag Königsfurt-Urania 2008 beschrieben. Für weitere Informationen bitte Karte 26 "Das Buch" anwählen. Den Blick auf eine weitere moderne Variante gibt Karte 33 "Der Schlüssel" frei.

 

zurück

 

 

 

 

powered by Beepworld